Reflexion zu eigener Migration und Erfahrung mit Bildung ( Teil 1)

Da ich mich gestern zum Thema Migration und Bildung geäußert habe, verfolgte mich dieses Thema weiterhin und so entschied ich mich hier meine eigene Erfahrungen zu reflektieren.  Als ich gestern meinem Papa den Kommentar zu Artikel von M. Weisband gezeigt habe, hat er mich gefragt ob wir denn daheim auch viel russisch sprechen und ich sagte nein, und es stimmt.  Als ich 13 Jahre alt war beendete ich die 6 Klasse in Kasachstan, ich war nicht besonders gut an der Schule. Denn ich wusste ja dass wir irgendwann mal nach Deutschland ausreisen würden. Meine Eltern haben den Antrag vor langer Zeit gestellt und so haben wir einige Jahre warten müssen. Als es dann endlich so weit war, konnten ich und meine Schwester schon einige deutsche Sätze formulieren. Das verdanke ich meinen Eltern, weil sie sich um uns gesorgt haben, auch wenn wir nicht ausgereist wären so hätten wir mit einer zusätzlichen Fremdsprache gute Chancen im weiteren Lebensverlauf gehabt.  Nun hatten wir die Papiere in der Hand und ab da ging alles ganz schnell, die Wohnung musste verkauft werden, das Auto, die „Datscha“. Meine Familie ist nicht von einem ganz schlechten Leben geflohen, ich habe als Kind nicht viel vermissen müssen. Meine Eltern haben also einiges aufgeben müssen um uns (mir und meiner Schwester) eine sichere und schöne Zukunft zu geben. Die Verwandtschaft meiner Mutter lebt in Kasachstan, sie hat niemanden außer uns hier und wenn ich jetzt die Situation betrachte hat sie am meisten von uns aufgeben müssen. Meine Eltern haben uns das aber nie vorgeworfen oder irgendwie angesprochen, sie haben nie an uns gezweifelt und uns in allen unseren Phasen unterstützt und sie tunen es immer noch und werden es vermutlich immer tun.
Ich komme also aus einer intakten Familie, meine Eltern lieben sich nach 26 Jahren Ehe immer noch und ich beneide sie manchmal darum, denn ich weiss das es keine Fassade ist, es ist so.
Ich war aufgeregt, ich glaubte noch in der letzten Nacht vor Abflug die Frau im Fernsehen (Nachrichten) deutsch sprechen hören.
Als wir dann ankamen wurden wir von einem Zollbeamten mit den Worten
“ Willkommen in Deutschland!“ freundlich begrüßt. Der riesige Frankfurter Flughafen hat mich umgehauen und die Menge an Menschen.
Ich wurde sehr schnell eingeschult, mein Vater sorgte dafür und setzte sich dafür stark ein, dass wir nicht noch 3 Monate daheim sitzen und auf einen Sprachkurs warten. Jetzt denke ich dass das eine der besten Entscheidungen in seinem Leben war (wenn ich es denn überhaupt so sagen darf).
Wir wurden also in eine Realschule eingeschult, denn meine Eltern haben sich selbständig ausführlich über das Bildungssystem informiert und wussten das eine Hauptschule obwohl sie das Wort „haupt“ (also für unser damaliges Verständnis zentral bzw. die Mehrheit der Schüler besucht sie) beinhaltet nicht gut genug ist. Um eins vorweg zu sagen, meine Eltern haben sich auch versucht vorzubereiten auf die Reise nach Deutschland, mein Vater beherrschte also die Grundlagen der deutschen Sprache
( Niveau 1 A ?) Vielen unsere „Mitmigranten“ wussten es übrigens nicht, denn in Kasachstan gab es eben nur eine „Hauptschule“ ( diese gleicht aber einem Abitur hier) und ein paar Gymnasien die sich nur durch ihr Unterrichtsangebot von der „Hauptschule“ unterscheiden.
Nach dem die 3 monatige Frist vorbei war (diese haben wir von der Schule gekriegt) hat die Schule entschieden uns zu behalten. So konnten wir bleiben und unseren Realschullabschluss machen, ohne auch nur eine Klasse zu wiederholen, am Ende haben wir dann beide eine Zulassung zur gymnasialen Oberstufe gekriegt.
Wir wurden also von Anfang an in kalte Wasser geschmissen und lernten zu schwimmen. Wir hatten kaum russisch sprechende Schüler an der Schule so dass wir uns gut integrieren konnten, denn wir wollten ja Freundschaften schließen. Also integrierten wir uns schnell, lernten schnell die Sprache, die Kultur und die Mentalität kennen. Heute sind wir beide (ich und meine Schwester)  im Großen und Ganzen erfolgreich, auch wenn jede auf ihre eigene Art und Weise.

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