Beziehung zur Ernährung oder habe ich wirklich Hunger?

Genug Schlaf, ausreichend Trinken und Essen  ist für uns und unser Körper lebensnotwendig.
Diesmal beschäftigte ich mich mit dem Thema Beziehung zur Ernährung und den psychologischen Aspekten die hinter dem eigentlichen Prozess Ernährung liegen.
Denn wir essen schon lange nicht mehr, nur um zu Überleben. Sehr viele Menschen haben ein gestörtes Verhältnis zum Essen, damit sind nicht nur die Hauptformen der Essstörungen: Esssucht und Magersucht gemeint. Ich esse sehr oft nicht aus echtem Hungergefühlt heraus und so ergeht es nicht nur mir. Viele von uns haben verlernt den eigentlichen Hunger zu erkennen und diesen von anderen physischen und psychischen Bedürfnissen zu unterscheiden.Es gibt sicherlich mehr als die drei hier vorgestellten Funktionen des Essens, diese drei sind jedoch sehr typisch und kommen den Meisten von uns bekannt vor, nur vergessen wir zu oft daran zu denken!

1. Essen als Trost

Wer kennt nicht diese Szene aus dem Film, wo eine enttäuschte, total verheulte Frau zum Kühlschrank greift und sich eine riesige Packung Eiscreme holt?
Das kennt sicher jeder „Schokolade schmeckt und macht glücklich!“
Richtig: Frustessen!
Wir essen sehr oft um unseren Frust, Ärger, Enttäuschung und Traurigkeit zu überbrücken.
Die Chance das wir dabei zu viel essen ist sehr hoch, denn woher sollte man auch wissen wann es genug ist?  Die Emotionen werden zwar dadurch schwächer, verschwinden aber nirgendswo hin!
Als Ergebnis haben wir dann eine Ansammlung von unverarbeiteten Emotionen und Gefühle die eine noch stärkeres Gefühl der Hilflosigkeit in uns auslösen.
Es ist also ganz wichtig sich ab und an ehrlich zu fragen ob man grade tatsächlich hungrig ist oder nur die innere Leere auffüllen will.
Den Hunger nach Verständniss und Anerkennung kann man leider nicht immer mit einer Tafel Schokolade oder einer Tüte Chips stillen.

2. Essen als Strafe

Es scheint zu nächst das Gleich wie „Essen als Trost“  zu sein, denn auch hier sind die negativen Emotionen der Ausgangpunkt.
In diesem Fall soll das Essen aber nicht trösten. Der Mensch empfindet so eine starke Schuld und / oder persönliches Versagen dass er unbewusst anfängt autoaggresiv zu handeln.
Der Schmerz- und Gewaltanwendung gegen den eigenen Körper kann also auch in Form vom Essen erfolgen. Dabei wird alles mögliche an Essen in sich herein geschoben um sich noch schlechter emotional und pysisch zu fühlen und zum Bsp. sagen zu können “ ich bin …, …., …. und jetzt auch noch fettes …..!!!“

3. Essen als Belohnung

Die Situation, in der ich  eine Welle der positiven Emotionen, positives Selbstwertgefühl erlebe versuche ich mit gutem Essen zu verlängern.
In dieser Situation wähle ich oft  „besonderen“ Produkte, die mir besonders gut schmecken und die täglich auf dem Einkaufszettel stehen. Bei mir ist es Räucherlachs, Serrano Schinken, russische Spezialitäten.

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15 Gedanken zu „Beziehung zur Ernährung oder habe ich wirklich Hunger?

  1. Dich scheint dieses Thema momentan ziemlich zu beschäftigen, was? Ist allerdings auch ein sehr interessantes, vielschichtiges und vielseitiges Thema, das in beide Richtungen schädlich ist: Die von dir angesprochene (ungesunde) Essensaufnahme und natürlich die (in unserer westlichen Überflussgesellschaft zunehmende) Essensverweigerung. Dabei wäre gerade dieses Thema so einfach zu vermeiden (beziehungsweise die Probleme damit). Ursprung ist wie bei so vielem wohl (einfach) das Erlernen falschen Essverhaltens. Alle drei von dir aufgeführten Punkte erlernen wir falsch schon in der Kindheit. Ist doch niemand von uns aufgewachsen ohne nicht wenigstens einmal die Woche dazu gezwungen worden zu sein etwas zu essen, das wir nicht essen wollten. Dazu den Süßkram als Belohnung oder aus Verlegenheit, weil Kind im Laden sonst nie Ruhe gibt. Und ganz aktuell erlebe ich es wieder, wie durch Essen auch die Zuneigung eines Kindes „herbeigekocht“ wird, indem es die Leibspeisen des Kindes gibt und nicht etwa etwas, das viel besser wäre, aber nunmal Gemüse beinhaltet. Hinzu kommt noch Nahrung als Druckmittel „Wenn du nicht aufisst, dann…“ oder „Wenn du nicht…, dann gibt es später auch dieses und jenes nicht zu essen“. Und anstatt ein wenig Zeit für das Kind zu erübrigen, bekommt es einen Schokoriegel in die Hand gedrückt, was erstmal auch das leere Gefühl nach Aufmerksamkeit in der kleinen Seele befriedigt. Später behält man dieses eigenartige Verhältnis zum Essen bei, selbst wenn man vom Kopf her erkennt, was da eigentlich nicht stimmt. Essprobleme sind keine „Erfindung“ der erwachsenen Menschen.

    Deinen drei Punkten möchte ich noch einen hinzufügen: Langeweile. Nicht immer muss ein tief greifendes Problem hinter dem Griff zur Bonbontüte oder übermäßigem Essen allgemein stehen. Manchmal weiß man schlicht und ergreifend nichts mit sich anzufangen und isst, um die Langeweile zu vertreiben (habe irgendwo mal gelesen, daß wir heutzutage immer weniger mit Langeweile umgehen können, sie als einen negativen Zustand empfinden, der schleunigst geändert werden muss – aber das nur am Rande).
    Außerdem denke ich, daß auch das Essen zu bestimmten Anlässen eine Rolle spielt. Beispielsweise gehört zu Weihnachten der ganze Süßkram, das deftige Essen, die Klöse, Bratensauce, Plätzchen, Stollen und Kartoffelsalat. Mit dieser Tradition zu brechen, fällt schwer. Genauso wie Kuchen ohne Sahne. Daß ist wie mit meiner Zigarette nach dem Essen. Auf diese zu verzichten, würde mir besonders schwer fallen, weil sie eben einfach dazugehört, sagt mir mein Kopf. So wie die Krapfen zum Silvesterabend.

    Übrigens sehe ich das mit dem verloren gegangenen Hungergefühl ein wenig anders. Esse ich erst, wenn ich Hunger habe, esse ich in der Regel viel mehr als es notwendig ist und als ich das mit einem dreiviertel-leerem Bauch tun würde. Hunger ist ja letztlich fast wie Schmerz das letzte Zeichen des Körpers um mich auf einen Misstand aufmerksam zu machen, nach dem Motto „Hey, jetzt ist langsam letzte Eisenbahn. Ich brauch unbedingt wieder Nachschub an wichtigen Stoffen, also mach jetzt mal hinne.“ Hunger war ne coole Sache, als noch nicht jederzeit Essen zur Verfügung stand. Aber damals waren wir auch noch komplett behaart, weil es keine Kleidung gab. Also ich für meinen Teil esse lieber regelmäßig und so weit wie möglich zu denselben Zeiten um Hungertiefs zu vermeiden, die zumindest bei mir definitiv dazu führen, daß ich nicht nur mehr in mich aufnehme, sondern dazu auch noch ungesund schnell esse (was blöde ist, da ein Sättigungsgefühl erst nach 20 Minuten einsetzt, ich bis dahin aber schon viel mehr in mich aufgenommen habe, als ich brauche). Darüber hinaus neige ich bei Hunger dazu, DRINGEND etwas dagegen tun zu müssen. Da bleibt nicht viel Zeit für Kochen. Mein Körper braucht dann SOFORT etwas. Nur sofort ist ja oft dann auch gleichwertig mit Mist. Schnell ein belegtes Brot (und weil ich ja Hunger habe natürlich mit ordentlich Belag drauf), ein Stück Kuchen, weil der Gang zum Bäcker um die Ecke weniger Zeit in Anspruch nimmt als das Schnibbeln von Möhren mit anschließender Kochzeit. Nein, Hunger ist zumindest in meinem Falle kontraproduktiv und irgendwie ja auch nicht mehr „zeitgemäß“. Entscheidend ist doch, WAS ich esse und in welchen Mengen und nicht WANN und auf Vorrat. Fettspeicher für die nahrungsarmen Wintermonate oder Zeiten, in denen weniger Essen zur Verfügung steht, benötigen wir nicht mehr (wohlgemerkt in Industrieländern).

    • Hi!
      Danke für dein ausführlichen Kommentar, ja das Thema beschäftigt mich schon seit einiger Zeit nur kam ich nicht wirklich dazu etwas darüber zu schreiben also hat sich einiges in dem „Entwurfsordner“ angesammelt 😉

      Wenn ich Hunger habe und dann langsam esse, werde ich viel schneller satt aber ist wohl bei jedem etwas anders. Das mit ungesundem Essen stimmt bei mir aber leider auch, wenn ich richtig Hunger habe dann muss schnell was her!
      Ich kann trotzdem von guten Erfahrungen berichten, seit drei Monaten esse ich nur dann wenn ich Hunger habe und dann versuche ich schon sehr drauf zu achten auf was ich besonders viel Hunger habe, Ergebniss ich bin 10 Killo leichter und habe mein Normalgewicht wieder. Diät habe ich keine gebraucht, ich habe nru dann gegessen als ich es eben auch wollte und dann versucht weniger von ungesundem zu essen dennoch war auch mal süsses & fettiges drin.

      🙂

      • Diät habe ich keine gebraucht, ich habe nru dann gegessen als ich es eben auch wollte und dann versucht weniger von ungesundem zu essen dennoch war auch mal süsses & fettiges drin.
        Ja, das war auch bei mir so. Seitdem bin ich noch mehr gegen Diäten mit denen Leute gequält werden oder sich quälen lassen. Nach meinem Empfinden muss das gar nicht sein – außer vielleicht man muss wegen einer bevorstehenden OP möglichst schnell abnehmen, dann lässt es sich vielleicht nicht vermeiden. Darauf angesprochen, spreche ich in meinem Falle auch nie von Diät, sondern von einer langfristigen Ernährungsumstellung. Ich habe mir nichts versagen müssen (was viele ja immer daran hindert, sich dem Thema zu stellen). Es ging mir immer darum, falsches Essverhalten zu ändern, nicht darum, plötzlich einfach nur weniger zu essen oder weniger zu wiegen, was ja letztlich auch ein falsches Essverhalten ist. Nun bin ich aber auch niemand, der Lust hat, sich stundenlang mit jedem einzelnen Nahrungsmittel auseinanderzusetzen. Ich habe also versucht (mit ein wenig Hilfe von außen) meinen gesunden Menschenverstand und meinen Instinkt wiederzuentdecken und zwischen dem zu unterscheiden, was meine Psyche/Seele haben will und dem, was mein Körper mir signalisiert. Das ist ja bekanntlich zu häufig nicht immer dasselbe lol Dabei auch mal nicht gleich nachzugeben, sondern abzuwarten, ob ich denn auch wirklich etwas Süßes brauche, war sehr hilfreich. Manchmal ging es nicht anders. Da brauchte auch mein Körper diesen genialen schlechten Zucker und nicht nur Fruchtzucker und sowas. Und was soll ich sagen? Ich habe jedes Stück Schokolade genossen und bin überzeugt davon, daß schon die richtige Einstellung zu diesem tollen, braunen Rechteck dafür gesorgt hat, daß mein Körper es mit Freuden aufgenommen hat ohne wirklich anzusetzen. Schlechtes Gewissen beim Essen hingegen ist das dämlichste, was man sich einreden kann. Das führt doch nur zu Frust und dem Gefühl, versagt zu haben, einfach nicht den Willen aufbringen zu können oder was einem noch so eingeredet wird von neidischen Dünnzicken. Dann fühlt man sich schlecht und wird zum Frustesser.

        Hast du schonmal den deutschen Film „Eine Frau nach Maß“ gesehen? Kein filmisches Highlight, aber so wahr! Marianne Sägebrecht spielt darin eine Frau, die mit ihrem Leben und ihrem Körper völlig zufrieden ist, obwohl sie „nur“ bei der Post arbeitet und Übergewicht hat. Sie käme gar nicht auf die Idee, daß etwas mit ihr nicht stimmt, wenn nicht plötzlich ihr Arbeitgeber der Meinung wäre, sie könne ihren Job nicht mehr ordentlich ausführen aufgrund ihres Gewichts. Erst in dem Moment beginnt sie, sich in Frage zu stellen – nicht aus eigener Notwendigkeit (eine Untersuchung beim Arzt ergibt, daß sie völlig gesund ist, was der Arzt nicht glauben will und ihr deshalb einredet, sie MÜSSE doch Atembeschwerden haben), sondern weil man ihr von außen einredet, daß irgendwas mit ihr nicht stimmt. Daraufhin beginnt sie abzunehmen, wird trauriger und unglücklicher, weil auf dem Wege die Liebe zu sich selbst und ihrem Körper verloren geht. Das passiert meiner Meinung nach viel zu vielen Frauen und es macht mich wütend. Von außen wird also bestimmt, wie jemand glücklich zu sein hat. Bei mir führt das mittlerweile zu einer wütenden Gegenhaltung. NIEMAND bestimmt über MEINEN Körper!

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